Auf die Frage „wer ist Jakob Schubert?“ gibt es eine klare und gleichsam facettenreiche Antwort.
Jakob Schubert ist ein Kletterer. Ehrgeizig, loyal und freundlich – und nebenbei als zweifacher Olympiamedaillengewinner, sechsmaliger Weltmeister, siebenfacher Weltcupgesamtsieger und Rekordhalter für die meisten Einzelsiege im Herren-Weltcup zweifelsfrei einer der erfolgreichsten seiner Zunft. Er verbeißt sich – ganz Hardliner – in die schwierigsten Felskletterrouten und steckt sich die Ziele gern höher. Verbissen ist er dabei aber nicht, denn die Freude am Tun und der Spaß bei der Sache zählen mit zum Wichtigsten im Leben.
Wenn man das Nachklettern eines im Wettkampf nicht getoppten Boulders direkt nach der Siegerehrung als perfektionistisch und pedantisch bezeichnet, dann ist Jakob Schubert auch das. Sein größter Kritiker ist er selbst. Es geht darum, Fehler zu erkennen und daran zu arbeiten, damit Schwächen beim nächsten Mal nicht bestraft werden – eine Haltung, die ihn über seine gesamte Karriere hinweg begleitet hat.
Dafür trainiert der gebürtige Innsbrucker seit Jahren konsequent und strukturiert, zunehmend aber auch mit dem Wissen, dass weniger manchmal mehr sein kann. Nicht im Sinne geringerer Ambitionen, sondern im Umgang mit dem eigenen Körper: Ein Körper, der auf Unmengen an Erfahrung zurückgreifen kann. Jakob trainiert heute bewusster, effizienter und nachhaltiger – und verweist dabei selbst auf Athleten wie Lindsey Vonn oder Novak Djokovic als Beweis dafür, dass Erfahrung zu Langlebigkeit auf höchstem Niveau führen kann.
Für einen wie Jakob ist es wichtig, große Ziele zu haben und diese offen zu kommunizieren. Nach zwei Olympischen Spielen und zwei Bronzemedaillen – als einziger männlicher Kletterer, dem es gelungen ist, seine Olympiamedaille von Tokio auch in Paris zu wiederholen – hat er am 31. Dezember 2025, seinem 35. Geburtstag, sein nächstes großes Ziel öffentlich gemacht: die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Los Angeles 2028.
2026 markiert dabei ein besonderes Jubiläum: Es ist Jakobs 20. Jahr im Kletterweltcup. Der Fokus liegt klar auf seiner Originaldisziplin Vorstieg – dort, wo alles begonnen hat und wo Erfahrung, Effizienz und mentale Stärke den Unterschied machen.
Auch am Fels setzt Jakob seit Jahren eigene Maßstäbe. Er gehört zu einem exklusiven Kreis von nur drei Kletterern weltweit, die im schwierigsten Grad 9c erfolgreich waren – mit der Erstbegehung von B.I.G. in Flatanger. Seit 2023 ist er zudem der einzige Kletterer weltweit, dem es gelungen ist, sowohl im Sportklettern als auch im Bouldern im jeweils höchsten Schwierigkeitsgrad erfolgreich zu sein.
Gutes Essen – am liebsten japanisch –, Online-Gaming mit Freunden auf der ganzen Welt und Quality Time mit Familie und Freundin zählen zu Jakobs Lieblingsbeschäftigungen abseits von Chalk und Campus Board. Seit dem Frühjahr 2020 auch Schach. Passend zum detailverliebten Taktiker geht es dabei Zug um Zug in Richtung Lösung.
Für Roger Federer und Kletterass Adam Ondra empfindet der studierte Wirtschaftswissenschaftler großen Respekt. Eigenschaften wie die bedingungslose Liebe zum Sport, absolute Motivation und das stetige Streben nach Weiterentwicklung – als Athlet und als Mensch – sind es, die ihn faszinieren.
Ganz ähnlich verhält es sich auch bei „Joggl“, wie er in der Halle oft gerufen wird. Nach zwei Jahrzehnten im internationalen Spitzenklettersport, unzähligen Wettkämpfen und Begehungen der schwierigsten Routen der Welt ist eines unverändert geblieben: der Hunger nach Fortschritt – und die Freude am Klettern.
Text von Katrin Strobl